Sabbatical-Interview mit Andi #20: 5 Sabbaticals in 15 Jahren und warum Freiheit und Festanstellung kein Widerspruch sind

Für Andreas “Andi” Brendt sind Sabbaticals kein Ausbruch aus dem Alltag, sondern Teil seines Lebensmodells. Er liebt den Wechsel zwischen Struktur und Freiheit, zwischen Klassenzimmer und Welt, zwischen Ankommen und Aufbrechen. Im Interview erzählt er, warum er nie reisemüde wird, weshalb das Leben in Köln für ihn gleichermaßen reizvoll ist wie der Aufbruch ins nächste Abenteuer und warum er noch niemanden getroffen hat, der ein Sabbatical bereut hat.  

Andi an einem Bahnhof in Indien
Andi an einem Bahnhof in Indien
Kurzprofil Andis Sabbaticals
  • Reisemotto: Nicht wirklich, aber es gab eine Minimalanforderung und um es mit den Worten des Dalai Lamas zu sagen: Once a year go to a place you have never been before …
  • Reiseziele: am häufigsten war ich in Indonesien und Mexiko (beides ca. 20x)
  • Zahl der Sabbaticals bisher: 5
  • Dauer: 4x 1 Jahr, 1x 6 Monate
  • Alter beim Start des ersten Sabbatical:  das  erste offizielle Sabbatjahr mit 37; viel gereist bin ich seit ich 20 bin, zum Teil 3-4 Jahre am Stück.
  • Letztes Sabbatical: Jan.-Jun. 2026
  • Reiseart: solo (3x), als Paar (das letzte Sabbatjahr 2021/2022), als Familie (2026)
  • Reisetyp: Backpacker
  • Koffer oder Rucksack: Boardbag und Handgepäck-Rucksack
  • Tagesbudget pro  Person: am Anfang 15-20 Euro pro Tag; mittlerweile ist es mehr.  
  • Monatsbudget pro Person: Im ersten Sabbatjahr 500/600 Euro pro Monat (2011). Heute (2026) zwischen 1000 und 1500 Euro je nach Land.
  • Impfungen: die Klassiker, dazu Typhus, Gelbfieber und Cholera (hilft bei den normalen Reisedurchfällen).
  • Job: klassisches Sabbatjahr, Arbeitsverhältnis besteht weiter; während der Sabbaticals Arbeit als Autor und Veröffentlichung von bisher 4 Büchern. 
  • Wohnung: Eigentumswohnung, diesmal lassen wir sie leer stehen
  • Aus Deutschland abgemeldet: Nein
  • Versicherungen fürs Sabbatical: keine besonderen (meine KV gilt weltweit (Debeka)).
Palmen im Sonnenuntergang
Palmen bei Sonnenuntergang

Du machst seit 15 Jahren Sabbaticals. Bist du süchtig?

Süchtig ist ein hartes Wort. Also nein. Aber ich mag den Wechsel zwischen strukturiertem Arbeiten und Freiheit. Ohne würde mir das Leben schwer fallen. Und klar, es gäbe Entzugserscheinungen. Mmh, so gesehen: Ja, bin süchtig 😊

Denk mal zurück an dein erstes Sabbatical: Warum bist du damals losgezogen?

Andi mit einem der wunderbaren Menschen in Asien
Andi mit einem der wunderbaren Menschen in Asien

Seit ich 20 bin bin immer unheimlich viel gereist. Also seit ungefähr 30 Jahren.

So 6 Monate pro Jahr während des Studiums und danach mal 3 oder 4 Jahre nonstop.  Nach dem Referendariat war ich nochmal ein Jahr unterwegs. Irgendwann war ich dann reisemüde und habe mich nach einem Zuhause gesehnt.

Also zurück, ein richtiger Job (Berufsschullehrer) und Beamtentum. Es dauerte nicht lange, bis die Sehnsucht neu erwachte. Ich wollte wieder diesen wunderbaren Menschen in Asien und Lateinamerika begegnen. Und natürlich Surfen.

So kam es, dass ich mit 37 Jahren mein erstes klassisches Sabbatjahr mit Anspar- und Freistellungsphase gemacht habe.  Drei weitere folgten. Gerade bin ich in meinem 5. Sabbatical, diesmal „nur“ für 6 Monate.

Deine Leidenschaft ist das Surfen. Was sind deine 3 liebsten Spots? Und was war dein schönster Moment auf der Suche nach der perfekten Welle?

Andi beim Surfen einer großen Welle
Andi surft eine ziemlich perfekte Welle

Meine Lieblingsländer sind Indonesien und Mexiko. Es gibt viele fantastische Wellen, aber die Suche nach der perfekten Welle, oder dem perfekten Moment ist etwas, das in mir passiert. Wenn vieles zusammenkommt. Es gab so viele verrückte und unglaubliche Momente, dass ich hier den Rahmen sprengen würde. Aber die beiden Boarderlines-Bücher* sind genau damit gefüllt. 

Wenn man naiv und offen durch die Welt läuft, ist das Leben besser als jeder Hollywood-Film. Bei mir gab es jede Menge Komödie und immer mal wieder ein bisschen Thriller.

Jetzt habe ich gar nicht geantwortet? Ich deute an:

  • Das Nashorn in Südafrika,
  • der Slum im Senegal,
  • der ein oder andere Gangster (meistens sehr nett),
  • Desert Point auf Lombok und natürlich
  • der Cola-Automat in Spanien. 

In Deutschland hast du einen 9-to-5-Job. Alle paar Jahre wirst du zum Reisenden mit der absoluten Freiheit im Gepäck. Fällt es dir nicht schwer, nach 100% Freiheit wieder zurück in deinen Job zu gehen?

Gar nicht. In den Sabbatjahren arbeite ich als Autor*. Natürlich bin ich dabei viel unterwegs und sehr frei. Aber ich muss auch diszipliniert sein und mich Schwierigkeiten stellen, die nicht vorhersehbar sind (der Scheibprozess ist eine Achterbahn). 

Dazu kommt das Aus-dem-Koffer-leben, das Nie-zu-Hause-sein und das Freund:innen-vermissen. Und warme Duschen fehlen mir plötzlich oder richtige Supermärkte (bin ja ganz gern am A. der Welt), und all das mündet in eine Art Heimweh. Nach einem Jahr gehe ich dann gerne zurück. In ein geregeltes Leben. In Annehmlichkeiten. Zu Freund:innen und vor allem in einen gut planbaren, sehr schönen Beruf mit netten Menschen.

Seit deinem ersten Sabbatical hat sich dein Leben ziemlich verändert. Inwiefern haben sich auch die Auszeiten mit verändert? 

Die ersten drei Sabbatjahre war ich alleine unterwegs. Habe Bücher geschrieben, Wellen gesurft und bin total spontan gereist.

Raum mit Bett, einfach eingerichtet
Schlafplatz während der Reisen

Wenn ich nach ein paar Monaten von einem Trip zurückkam, bin ich genau so lange in Deutschland geblieben, bis ich wieder los wollte. Manchmal ein paar Wochen, manchmal nach ein paar Tagen.  Sobald die Lust oder eine Idee auftauchte, habe ich ein Ticket gebucht und mein Zeug gepackt. 

Schatten von einem Paar
Seit Sabbatical Nr. 3 ist Andi zu zweit unterwegs.

Das vierte Sabbatjahr bin ich mit meiner Freundin gereist. Das war auch sehr spontan, aber wie mein Kumpel Markus meinte: „Andi, du kannst jetzt nicht mehr auf ’nem Sack Stroh pennen.“ Und auch sonst musste ich ein bisschen vernünftiger werden. Aber es hatte sehr schöne Seiten, da den Menschen zu zweit zu begegnen und die Welt zu zweit zu erleben eine super schöne Qualität hat. 

Warum findest du, sollte jede:r mal ein Sabbatical machen?

Ich finde nicht jeder sollte ein Sabbatjahr machen. Aber wer Lust hat, wer Freiheit vermisst, wer sich von der Routine und dem Alltag eingeengt fühlt, für den:die ist das was.

Für alle, die sich noch nicht sicher sind und abwägen zwischen Schwierigkeiten (Geld, Jobgarantie etc.) und der Aussicht auf die weite Welt, habe ich eine Statistik: Ich habe bis heute noch niemanden getroffen, der ein Sabbatical bereut hat

Bisher hast du in jeder deiner Auszeiten ein Buch geschrieben. Wie kam das?

Andi arbeitet
Arbeiten in bester Gesellschaft

Ich war auch vor dem Lehrerberuf sehr viel unterwegs. Um den Kontakt nach Hause dann nicht ganz zu verlieren, habe ich E-Mails an Freund:innen geschickt und ein bisschen erzählt. 

Die fanden das dann alle so lustig und verrückt, dass einige meinten: Da musst du mal ein Buch draus machen. So entstand eine Idee in meinem Hinterkopf. Die nötige Energie kam durch die Trennung von meiner ersten Freundin. Das war zum Glück ein paar Wochen vor meinem ersten Sabbatjahr. 

Dein letztes Buch heißt “Wild Ride”. Worum geht’s und für wen ist das Buch?

Cover Buch Wild RideBei „Wild Ride*“ geht es um Schlüsselmomente aus 30 Jahren Reisen. Zum einen verrückte Momente aus allen Ecken und Enden der Welt um zum anderen, was mir diese mitgegeben haben.

Das Buch ist anders als die ersten drei. Die sind im Präsenz geschrieben und damit gibt es keinen Raum für den Autor (den Andi von heute) seinen Senf dazu zu geben. Die ersten drei Bücher sind Erleben pur.

Im vierten gibt es eine kleine Dosis Reflexion. Aber nicht zu viel. Ich erzähle gerne Geschichten und mag das Philosophieren nur bedingt.

Anfang 2026 geht es wieder los. Was ist diesmal anders? Worauf freust du dich am meisten?

Baby am Flughafen
Ab sofort reist Andi als Familie mit Partnerin und Baby Isi – hier am Flughafen

Diesmal haben wir ein Baby im Gepäck. Ich freue mich, wenn Isi die ersten Schritte geht (und verteufele es danach vermutlich, weil der kleine Danger-Seeker dann gar nicht mehr aufzuhalten ist). Ansonsten auf Sonne, Wellen und Schlaf. 

Wir hatten ein sehr schwieriges und auch trauriges erstes Jahr (Isis Zwillingsbruder ist gestorben). Mit Baby wird man irgendwie auch nochmal ein paar Jahrzehnte jünger, weil man gar nichts richtig planen kann. Also los und dann schauen wir, was passiert. 

Was haben dir deine Auszeiten geschenkt?

Unglaublich viele schöne und schwierige Momente. Eine Tonne Lebenserfahrung, weil das Leben, so wie wir es kennen, nicht normal ist. Nichts ist normal. Das hat mir bezüglich vieler Konventionen hier in der Heimat den Druck genommen. Es hat mich im Kopf befreit. 

Ausblick: Dein Rat für alle, die sich ein Sabbatical wünschen, sich aber noch nicht richtig trauen?

Stell dir vor, du bist 88 Jahre alt. 

Nimm dir ein bisschen Zeit, um da reinzufühlen. Rücken zwackt, Jahrzehnte liegen hinter dir …

Und nun, da du 88 Jahre alt bist, sag bitte deinem heutigen Ich, was du von der Idee hältst, ein Sabbatjahr zu machen. 

Möchtest du noch etwas gefragt werden, Andi?

Ja. Kann man die Bücher auch bei dir direkt bestellen? Vielleicht mit einer Widmung oder so? 

Total gerne. Einfach per E-Mail an andi.brendt@hotmail.de
oder über Instagram @boarderlines_buch schreiben. Vor Weihnachten gab es richtig viele Anfragen als Geschenk, und mir geht nach wie vor bei jedem Buch, das es in die Welt hinaus schafft, das Herz auf.  


Über Andreas Brendt

Andi mit Kuh nachts in indien
Selfie mit heiliger Kuh in Indien

Seit fast 30 Jahren prägt das Reisen Andis Leben. Die Suche nach den besten Surfspots führte ihn rund um den Globus und lieferte den Stoff für inzwischen vier Bücher, in denen er seine Erlebnisse festhält.

Nebenbei studierte er Volkswirtschaft und Sportwissenschaft, betreute die deutsche Wellenreit-Nationalmannschaft, hielt Vorträge über Angst und Motivation und arbeitet als Berufsschullehrer. Seine größte Inspiration ist seine ungebrochene Neugier und eine gute Portion Naivität, die ihn immer wieder in die absurdesten Situationen bringt.

Chronologie: Sabbaticals & Bücher

Sabbatjahr 1:
Juli 2011 bis August 2012 und „Boarderlines“

Mein erstes Buch. Die ersten 10 Jahre Reisen. Jung, verrückt und offen für das Wunder hinter jeder Ecke, in dunklen Gassen und an traumhaften Stränden. Danach will jeder sofort los 😊

Sabbatjahr 2:
Juli 2014 bis August 2015 und „Boarderlines Fuck you happiness“

Das schwierigste und, wie ich finde, das beste Buch. Die totale Achterbahn. Asien, Mittelamerika, Afrika. Heimweh, Fernweh, Schmetterlinge, Liebeskummer. Monsterwellen, Gangster, wilde Tiere. Aber auch Schweigekloster und am Ende der Reise eine unglaubliche Begegnung mit einem Guru auf Hawaii…

Sabbatjahr 3:
Juli 2017 bis August 2018 und „Ganesha macht die Türe zu“ 

Für alle, die sich für Spiritualität und Indien interessieren. Und für alle, die gerne lachen. Ein verrückter Trip ins Zauberland der Suchenden. 

Sabbatjahr 4:
Juli 2021 bis August 2022 und „Wild Ride“

Was ich in der Welt über Gangster, Schamanen und das Glück lernte. Eine Liebeserklärung an das Reisen und ein Angriff auf die Lachmuskeln. Die besonderen Momente und was diese in mir hinterlassen haben. Das Beste aus 30 Jahren Reisen.  

Sabbatjahr 5: Februar bis September 2026

Wenn mir meine Tochter die Zeit lässt, würde ich gerne meine erste fiktive Geschichte fertigschreiben. Die Hälfte habe ich, aber Isi hält nichts von guten Plänen oder Vorhaben. Sie ist zauberhaft, ein Sonnenschein, grinst ohne Unterlass und heißt mit Zweitnamen: ´Strich durch die Rechnung´… 


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