Sabbatical-Interview mit Imke #3: Job kündigen und ein Jahr um die Welt

Den Job kündigen, die Wohnung aufgeben und 11 Monate alleine als Frau um die Welt – das hört sich für viele nach einem Abenteuer an. Warum Imke diesen Schritt gemacht hat und wie es ihr auf ihrer Weltreise ergangen ist, erzählt sie im Sabbatical-Interview #3.

 

Kurzprofil Imkes Sabbatical
  • Reisemotto: kein bestimmtes
  • Reiseziele: Südostasien (Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, Indonesien), Neuseeland, USA (Kalifornien), Südamerika (Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien)
  • Dauer: 11 Monate
  • von … bis: Januar bis Dezember 2013
  • Reiseart: Solo-Reisende
  • Reisetyp: Backpacker
  • Koffer oder Rucksack: Rucksack
  • Gesamtbudget: ca. 17.000 Euro
  • Monatsbudget: ca. 1.000-1.500 Euro, je nach Region
  • Impfungen: Gelbfieber, Tollwut, Japanische Enzephalitis, Hepatitis A+B
  • Job: gekündigt
  • Wohnung: gekündigt
  • Aus Deutschland abgemeldet: keine Angabe
  • Versicherungen: Auslandskrankenversicherung

Warum hast du dich für ein Sabbatical entschieden?

Reisebegeistert war ich eigentlich schon immer. 2012 ist dann eine gute Freundin von mir auf ihre Weltreise aufgebrochen, und das war für mich in zweifacher Hinsicht der Stein des Anstoßes: Zum einen ist das Thema „Auszeit für eine Weltreise“ damit auf meinem Radar erschienen, und zum anderen hab ich dann immer ihre schönen Fotos auf Facebook gesehen und dachte dann häufig: Das will ich auch mal machen. Im Nachhinein fast etwas verrückt, dass ich dann tatsächlich nur ein Jahr später auch losgezogen bin.

Was hast du mit deinem Job gemacht?

Meinen Job habe ich gekündigt. Das war natürlich ein sehr krasser Schritt, und mir ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es insgesamt ein guter Zeitpunkt dafür war.

Meine Chefs waren natürlich enttäuscht, konnten den Grund aber gut verstehen. Da ich ganz regulär mit meiner normalen Kündigungsfrist gekündigt habe, konnten sie auch schwer etwas dagegen sagen. Insofern war das kein Problem.

Imke USA
Imke am Grand Canyon in den USA.

Was hast du mit deiner Wohnung gemacht?

Auch meine Wohnung habe ich gekündigt. Das war tatsächlich der erste, unumkehrbare Schritt vor der Reise – und dementsprechend aufregend. Ich hab dann schon mehrere Monate vor der Abreise angefangen, alles auszusortieren und zum Beispiel Möbel zu verkaufen, die ich nach der Reise nicht unbedingt behalten wollte. Den Rest konnte ich zum Glück bei Verwandten lagern.

Welche Versicherungen hast du für die Reise abgeschlossen?

Was die Vorbereitung anging, war ich sicher eher minimalistisch unterwegs. Ich habe, ehrlich gesagt, nur eine Langzeitauslands-Krankenversicherung bei der HanseMerkur abgeschlossen. Meine Haftpflichtversicherung war bis zu 24 Monate auch im Ausland gültig, sodass ich hier nichts weiter unternehmen musste.

Hobbiton in Neuseeland
Grün, grüner, Neuseeland – hier das Filmset Hobbiton.

Was hast du mit der Kranken- und Rentenversicherung in Deutschland gemacht?

Da ich gekündigt hatte und dementsprechend arbeitslos war, habe ich einfach in der Zeit nicht in die Rentenversicherung eingezahlt. Von der Krankenversicherung in Deutschland habe ich mich abgemeldet. Die Wiederaufnahme nach meiner Rückkehr hat ohne Probleme geklappt – vielleicht auch deshalb, da ich mich dann bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet habe (und als Arbeitslose dann automatisch in meiner letzten Krankenkasse pflichtversichert wurde).

Reiseroute: Wann und wie lange warst du unterwegs?

Ich war ziemlich genau 11 Monate unterwegs, von Mitte Januar 2013 bis kurz vor Weihnachten (also Mitte Dezember 2013).

Wie war (grob) deine Route?

Meine Reiseroute war schon ziemlich „klassisch“. Im Wesentlichen habe ich die Backpacking-Hot Spots Südostasien, Neuseeland und Südamerika bereist. Südostasien war da natürlich für eine Backpacking-Anfängerin wie mich ein eher dankbares Gebiet, weil die touristische Infrastruktur sehr gut ist und es insgesamt eher einfach ist, dort als Backpackerin zu reisen.

Railay Beach in Thailand
Railay Beach in Thailand gehörte definitiv zu den hübschen Orten von Imkes Weltreise.

Wie konkret hast du im Voraus deine Reiseroute festgelegt?

Ich hatte eine Route im Kopf – aber dadurch dass ich immer nur einzelne Flugtickets gebucht hab, war vorab nichts fest geplant.

Was hast du für deine Reise bezahlt?

Für die gesamte Reise inklusive aller Anschaffungen, Impfungen, Flüge und den Reisekosten vor Ort habe ich etwa 17.000 Euro gebraucht.

Wie hast du deine Reise finanziert?

Die Summe habe ich etwa zur Hälfte aus meinen Ersparnissen finanziert. Für die andere Hälfte habe ich einen Bausparvertrag geplündert, den meine Eltern für mich angelegt hatten.

Imke in Indonesien
In Asien wurde Imke manchmal selbst zur Attraktion und Einheimische wollten Fotos mit ihr machen.

Wie hast du es geschafft, deine Kosten zuhause vor und während der Reise  zu reduzieren?

Da das Geld ja so gesehen „da“ war, hab ich nicht super krass vor der Reise gespart. (Ich glaub ich bin 2012 sogar im Sommer noch in den Urlaub gefahren.) Abgesehen davon habe ich keine großen Anschaffungen mehr gemacht und mir auch sonst unnötige Ausgaben gespart. Da ich sowieso nicht so häufig essen gegangen bin oder mir viele neue Klamotten gekauft habe, waren das aber auch eher kleine Änderungen.

Wie und wie lange hast du dein Sabbatical geplant?

Die Idee, vielleicht auch eine Weltreise zu machen, hatte ich, glaube ich, das erste Mal so rund um April/Mai 2012. Ab da habe ich angefangen, mich zu informieren und Möglichkeiten auszuloten. Die richtige Vorbereitung mit Besuchen bei Globetrotter, Impfterminen usw. habe ich circa ab August gestartet.

Wo hast du gute Infos für dein Sabbatical gefunden?

Die wertvollste Hilfe dabei war für mich die Website weltreise-info.de, wo es für fast alle Schritte Anleitungen und Informationen gab. Besonders gut fand ich dort auch das Reisezeiten-Tool, mit dem man ganz grob wetterbasiert gute und schlechte Reisezeiten für einzelne Regionen recherchieren kann.

Salar de Uyuni Bolivien
Der Sonnenaufgang an der Salar de Uyuni in Bolivien. Willst du die Salzwüste unter Wasser erleben, bleibt dafür nur eine bestimmte Jahreszeit.

Was war für dich die größte Herausforderung bei der Planung der Reise?

Da es mir extrem schwer fiel, mich im Vorfeld konkret auf eine Route und Reisedaten festzulegen, bin ich nur mit einem Oneway-Ticket nach Bangkok und der Hotelbuchung für die ersten Tage gestartet. Alles andere habe ich unterwegs organisiert und gebucht. Das hat für mich sehr gut funktioniert.

Welche Anschaffungen hast du für die Weltreise gemacht?

Da ich vorher noch nie mit einem Reiserucksack unterwegs war, musste ich vor allem den Rucksack, Wanderschuhe und so Kleinteile wie Kompressionsbeutel, Geldkatze, Schlafsackinlay und Microfaserhandtücher kaufen.

Was waren deine drei Lieblingsstücke im Weltreisekoffer?

Meine Lieblingsteile waren allesamt Kleidungsstücke, die vielseitig und robust sind, aber nicht so nach Outdoor aussehen. Ich bin nicht so der Outdoor-Crack und komme mir in Wanderhose und Softshelljacke schnell verkleidet vor. Wenn dir das auch so geht, dann würde ich dir empfehlen, nicht zu viel Funktionskleidung zu kaufen. Du wirst sie eh nicht anziehen, wenn du dich darin nicht wohlfühlst. Meine extra gekaufte Trekkinghose ist über die ganzen 11 Monate beispielsweise vielleicht 10 Mal zum Einsatz gekommen, weil ich sie unvorteilhaft fand. 

Ich weiß noch, dass sich in Indonesien am Vorabend einer Sonnenaufgang-Wanderung zum Vulkan Bromo alle über die Wassersäulenwerte ihrer Softshelljacken unterhalten haben. Ich hatte eine alte Regenjacke von Tchibo … und bin natürlich genau so gut oben angekommen.

Imke in Regenjacke
Imke am Vulkan Bromo – mit ihrer alten Regenjacke.

Deine Tipps, um kostengünstig zu reisen?

Puh, die beste Antwort dazu ist, glaube ich: eine sparsame Grundeinstellung. Wer zu Hause immer viel unnötigen Kram kauft und nicht gut haushalten kann, wird sich auf Reisen auch schwer tun. Der beste Tipp ist also, schon zu Hause an deiner Einstellung zu arbeiten.

Vor Ort kannst du natürlich bei einigen Dingen Preise verhandeln. Aber das betrifft vor allem Taxifahrten ohne Taxameter (oder das Tuktuk) oder Klimbim, den du auf Märkten kaufst. Beim Verhandeln solltest du aber nicht übertreiben. 2 Euro machen für dich den Kohl nicht fett, helfen aber den Einheimischen. Ich persönlich finde es auch etwas grenzwertig, wenn man als Weltreisender (der:die ja in der Regel mehr als 10.000 Euro für die Reise ausgibt) dann in Kambodscha oder Bolivien bis aufs Blut den Preis drückt, obwohl es um ein paar Euro geht.

Ansonsten spart man am meisten durch Mehrbettzimmer im Hostel oder langsame/unbequeme Busse statt privatem Transfer. Und – das will natürlich niemand hören – indem man keinen Alkohol trinkt. Bier war vor allem in Südostasien und Südamerika eher teuer.

Was war das Schlimmste, das dir auf der Reise passiert ist?

Ehrlich gesagt ist mir nicht wirklich etwas Schlimmes passiert. Das „Schlimmste“ war ein selbstverschuldeter Rollerunfall in Vietnam, bei dem ich mir den Fuß verletzt hab. Vier Wochen Gaze-Pflaster und Verband haben das aber wieder gekittet.

Am gefährlichsten war tatsächlich ein privater Transfer per Auto in Indonesien. Der Fahrer war völlig übermüdet. Zum Glück ist mir das aufgefallen und ich hab ihn dann überredet, an einer Raststätte zwei Stunden zu schlafen. Dadurch war die eigentliche Zeitersparnis des privaten Transfers natürlich futsch, aber hey. Am Ende sind wir zumindest sicher ans Ziel gekommen.

Was waren deine schönsten Erlebnisse? Welche Träume hast du dir erfüllt?

Da gab es natürlich einige. Wenn ich so rückblickend darüber nachdenke, waren eigentlich immer die Momente am schönsten, die ich als Alleinreisende mit anderen teilen konnte. Dazu zählten häufig auch Gruppenausflüge an besondere Orte, wie mein Inka Jungle Trek nach Machu Picchu oder die Mini-Kreuzfahrt durch die Galapagos-Inseln.

Machu Picchu in Peru
Gehört für viele Reisende zu den Highlights: die berühmte Inka-Ruine Machu Picchu.

Nach Hause kommen: Was hat sich nach dem Sabbatical für dich verändert?

Meine Weltreise liegt ja nun schon etwa acht Jahre zurück. Von außen betrachtet würde man vermutlich sagen, dass sich mein Leben nicht viel verändert hat, und in gewisser Weise stimmt das auch. Ich habe wieder eine normale Wohnung, einen Vollzeitjob mit 28 (bzw. neuerdings 30) Urlaubstagen und mache ganz normal Urlaub wie alle anderen auch.

Die dauerhafte Veränderung ist eher etwas Unsichtbares. Ich würde sagen, dass ich seit der Reise noch stärker darauf vertraue, dass schon irgendwie alles gut geht – und zwar auch dann, wenn ich eine Entscheidung treffe, die nicht mit dem konform geht, was „die Gesellschaft“ so von einem möchte. Ich bin mutiger darin, mich kompromisslos für meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche einzusetzen.

Ausblick: Was wäre dein Tipp für jemanden, der:die überlegt, ein Sabbatical zu machen, sich aber vielleicht noch nicht so richtig traut?

Rede mit Menschen, die sich ihren Traum bereits erfüllt haben und frag sie nach ihren Erfahrungen. Tausch dich mit Gleichgesinnten aus! Sich nur alleine den Kopf zu zerbrechen wird dich nicht weiter bringen. Und – einfach mal den Sprung ins Ungewisse wagen.

Imke im Sprung
Einfach mal losspringen und gucken, was passiert.

 

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