Sabbatical-Interview mit Bianca #21: drei Monate solo durch Brasilien auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Manchmal beginnt eine Auszeit mit einer leisen Frage: War das schon alles? Mit 36 steht Bianca mitten im Leben, erfolgreicher Job, stabile Beziehung, eigentlich passt alles. Und doch spürt sie eine tiefe Unruhe. Ein Buch bringt sie auf eine Idee: drei Monate Abstand. Kurz darauf erschüttert auch noch eine Tumor-Diagnose ihre Welt. Bianca streicht daraufhin das Wort “irgendwann” aus ihrem Wortschatz und reist für ein Mikro-Sabbatical allein nach Brasilien. In das Land, in dem sie geboren wurde. Unterwegs zwischen Sprachschule, Familienbesuchen, Fernbusfahrten und spontanen Abenteuern stellt sie sich immer wieder dieselbe Frage: Was wolltest du in deinem Leben eigentlich schon immer tun?

Ein Interview über Krisen als Wendepunkte, Mut zum Alleinreisen und darüber, warum ein Sabbatical manchmal der Anfang von etwas viel Größerem ist.

Kurzinfo zu Biancas Mikro-Sabbatical
  • Reisemotto: Gib deiner Zeit mehr Leben
  • Websites: Reiseblog lebedraussen! und nature intelligence
  • Reiseziele in Braslien: Maceió, Recife, Pipa, São Paulo, Rio, Brasilia, Cuiabá, Bonito
  • Dauer: 3 Monate
  • von Mai bis August 2014, während der dortigen Fußball-WM
  • Alter bei Reisestart: 36
  • Reiseart: solo
  • Reisetyp: Backpackerin
  • Koffer oder Rucksack: Rucksack
  • Gesamtbudget: 8.000 Euro
  • Finanzierung: Ersparnisse
  • Impfungen: Gelbfieber
  • Job: die ersten vier Wochen stundenweise remote für meinen Arbeitgeber; unterwegs zeitweise als Übersetzerin (Englisch-Portugiesisch) für Guides
  • Sabbatical-Modell: erster Monat normaler Urlaub, danach zwei Monate unbezahlter Sonderurlaub
  • Wohnung: Miete lief weiter (mein Freund wohnte ja noch drin)
  • Aus Deutschland abgemeldet: nein
  • Versicherungen auf Reisen: ADAC-Auslandskrankenversicherung
  • Kranken- und Rentenversicherung in DE: Rente weitergezahlt, Krankversicherung pausiert

Warum hast du dich für dieses Mikro-Sabbatical entschieden?

Ich hatte mit 36 eine echte Krise. Und ja, eigentlich war alles wunderbar: Ich liebte meinen Marketing-Job, das Unternehmen gewährte mir viele Freiheiten, ich war in einer glücklichen Beziehung und es mangelte uns an nichts. Trotzdem war da die Frage: Ist das schon alles gewesen?

Bianca mit Trekking-Ausrüstung
Bianca mit Trekking-Ausrüstung

Auswandern?

Ich war innerlich unruhig, gleichzeitig auch erschöpft und spielte mit dem Gedanken, auszuwandern. Brasilien lag da nahe, schließlich bin ich in São Paulo geboren, hatte im ganzen Land Familie und besitze die brasilianische Staatsbürgerschaft.

Dennoch lebe ich gerne in Europa und liebe die Vielfalt an Sprachen und Kulturen, die man, wann immer man Lust hat, erleben kann. Hier an der saarländisch-französischen Grenze, meine Wahlheimat, kann ich sogar zu Fuß nach Frankreich rüberlaufen und auch Luxemburg ist mit dem Auto unter einer Stunde erreichbar.

Durch ein Buch zum Sabbatical

Als ich mich gegen das Auswandern entschied, kam ich zu einem inspirierenden Buch von Barbara Sher mit dem Titel: Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast*. Es war wie für meine Krise gemacht, denn dadurch konnte ich die innere Unruhe annehmen und mit der Hilfe der Lektüre Lösungswege finden. Und einer dieser Lösungswege war das dreimonatige Sabbatical.

Schlimme Diagnose

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte: Vier Monate vor meiner Abreise wurden bei mir Tumore auf der Leber entdeckt. Eine Woche später war Entwarnung, sie waren gutartig. Aber eine solche Diagnose zu bekommen, macht etwas mit einem.

In dieser Woche wurde all das unwichtig: Job, Karriere, Geld. Plötzlich wurden Momente wichtig, die ich mit lieben Menschen verbrachte, der gemeinschaftliche Sport, die Augenblicke mit Umarmungen und vertrauten Gesprächen. Und auch eins lehrten mich die Tage: Du kannst deine Zukunft nicht planen. Aber du kannst im Hier und Jetzt leben. Seitdem habe ich das Wort „irgendwann“ aus meinem Wortschatz gestrichen.

Wie konkret hast du deine Reiseroute im Voraus festgelegt?

Vorausgebucht hatte ich nur die beiden Langstreckenflüge Frankfurt-Recife und São Paulo-Frankfurt, sowie die Inlandsflüge Recife – Cuiabá – São Paulo – Brasiliá. Außerdem waren die beiden Sprachkurse in Maceió und in São Paulo vorab eingetütet. In Brasilien lässt es sich ansonsten ziemlich gut mit sehr gut ausgestatteten Fernbussen reisen, was ich spontan immer wieder gern nutzte.

Wie sah deine Reiseroute durch Brasilien aus?

Ich war damals noch ein Mensch, der alles geplant haben wollte. So buchte ich all meine Flüge im Voraus. Die Route sah dann so aus:

Landhaus in Recife und Surfcamp in Pipa

Der erste Stopp meiner Reise war Recife, wo ich im ehemaligen Sítio (Landhaus) meines Vaters und seiner Frau wohnen konnte. Von dort hat es mich spontan in ein Surfercamp nach Pipa verschlagen, wo ich eine Woche Sonne, Strand und das Meer genoss. Aber nicht nur das.

Hier begann ich mir meine wichtigste Frage für das gesamte Sabbatical zu stellen: „Was wolltest du schon immer in deinem Leben gemacht haben, Bianca?“

In Pipa waren es ein Wanderritt und der Galopp über einem einsamen Strand. Von hier aus ging es erst kurz zurück nach Recife.

Bianca beim Reiten am Strand in Pipa
Bianca beim Reiten am Strand in Pipa

Vier Wochen zum Portugiesisch lernen in Maceió

Danach weiter mit dem Fernbus nach Maceió: eine der gefährlichsten Städte der Welt, wie ich damals erfuhr. Ich selbst bekam davon gar nichts mit, sondern war hier, um Portugiesisch zu lernen. Da meine Eltern sich damals, als wir nach Deutschland zogen (ich war fast sechs Jahre alt) hauptsächlich darauf konzentrierten, dass ich gut Deutsch spreche, verlernte ich das Portugiesisch, leider.

In Maceió gab es eine Sprachschule, die ich 2012 schon mal besuchte und die Familien organisierte, wo man als Schüler:in unterkommen konnte. Ich liebte diese Kombi aus Reisen und Lernen, sowie mit Locals und anderen Studierenden umherzuziehen. Zu dieser Zeit begann auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, und die ganze Stadt war im Fußballfieber, eigentlich ganz Brasilien, wie man sich vielleicht denken kann.

Zur Familie nach Cuiabá

Mit neuen Sprachkenntnissen im Gepäck flog ich dann weiter nach Cuiabá, meinen Patenonkel und seine Familie zu besuchen. Dort traf ich dann auch meine Schwester, die sich zwei Wochen frei nahm, um mich ein Stück zu begleiten.

Vermutlich können sich noch viele an das 7:1-Spiel der Deutschen gegen Brasilien erinnern: Wir waren an diesem Abend mitten unter Brasilianer:innen und wurden als Deutsche „enttarnt“. Was gar nicht schlimm war: Nach dem dritten Tor der Deutschen ging der Cachaça rum (ein Zuckerrohrschnaps) und nach dem Spiel wurde uns gratuliert und anschließend getanzt und gelacht. Das ist Brasilien!

Ins weltgrößte Sumpfgebiet: ins Pantanal

Cuiabá liegt mitten in Brasilien im Bundesstaat Mato Grosso und am Rande des weltgrößten Sumpfgebietes: das Pantanal. Es war nicht geplant, dorthin zu reisen, aber wir wurden mit so viel attraktiven Infos und Ideen ausgestattet, dass wir nicht anders konnten.

Wildwasser-Rafting in Brasilien
Nichts für schwache Nerven: Wildwasser-Rafting in Brasilien

So setzten wir uns neun Stunden in einen Fernbus und fuhren in Etappen zuerst zum Rafting nach Jaciara und von dort aus weiter in ein Backbacker-Dorf namens Bonito.

Bianca schwimmt im Fluss beim Rafting
Bianca schwimmt im Fluss beim Rafting

In dieser Woche hatten wir es uns richtig gut gehen lassen: Wir organisierten uns über eine Touristenagentur einen Chauffeur und ließen uns eine Woche lang zu den traumhaftesten Aktionen kutschieren. Wir haben

  • in glasklaren Flüssen geschnorchelt,
  • kraxelten durch Höhlen,
  • tauchten in Lagunen und
  • besuchten eine riesige Schlucht, in der Aras zum Brüten herkommen (Buraco das Araras in Jardim).

Mittlerweile konnte ich zu der Zeit schon so gut Portugiesisch, dass ich für Eintritte nicht mehr zahlen musste, sondern als Übersetzerin fungierte. Das machte mich ein bisschen stolz.

Dorthin zurück, wo alles anfing: nach Sao Paulo

Da ich die Wasserfälle von Iguazu schon von einer anderen Reise kannte, ließ ich sie diesmal links liegen und reiste weiter nach Sao Paulo, meiner Geburtsstadt. Hier, im südlicheren Brasilien, ist das Klima fast schon europäisch, ich kann mich kaum erinnern, dass es nicht geregnet hat. Es war zudem so frisch geworden, dass ich mir eine Jacke und neue Schuhe kaufen musste, um nicht zu frieren.

Zwei Wochen blieb ich im wichtigsten Wirtschafts- und Finanzzentrum des Landes, einer Mega-Metropole mit rund 11 Millionen Einwohner:innen und voller kultureller Highlights. Die Zeit dort verbrachte ich am Vormittag wieder in der Sprachschule und am Nachmittag liebte ich es, in die Bücherei zu gehen oder mich mit anderen Studierenden zu treffen.

In die Favelas von Rio de Janeiro

Sonnenaufgang in Rio de Janeiro
Sonnenaufgang in Rio de Janeiro

Von São Paulo fuhr ich mit dem Fernbus weiter nach Rio de Janeiro. Rio ist eine der schönsten Städte, die ich je gesehen habe und wohin ich immer wieder gerne zurückkehre. Hier wollte ich vor allem Gleitschirmfliegen, was aufgrund des Wetters leider nicht klappte. Dafür hatte mich aber eine Deutsche, die schon einige Jahre in Brasilien lebte, eingeladen, gemeinsam eine Favela zu erkunden. Zur WM-Zeit waren die Favelas, wenn man weiß wo, nicht mehr ganz so unsicher, selbst ganz normale Hostels haben in den sicheren Ecken geöffnet und werden gut besucht.

Bei Freunden in Brasiliá

Zwölf entspannte Tage später, flog ich weiter nach Brasiliá. Meine letzten zwei Wochen brachen an und ich muss sagen, dass ich mich damals langsam wieder auf Zuhause freute. In Brasiliá selbst hatte ich mich mit einem Freund verabredet, der damals dorthin auswanderte und eine Familie gründete. Ein weiterer gemeinsamer und enger Freund kam aus Deutschland dazu, sodass wir eine unfassbar schöne Zeit zusammen verbrachten.

Bianca badet
Wasser trotz Steppe: Bianca genießt die kühle Abwechslung

Unvergessen war der Ausflug in den Nationalpark Chapada dos Veadeiros, (Wikipedia) etwa dreieinhalb Autostunden von Brasiliá entfernt. Dieses Gebiet ist Steppengebiet, und ich kann mich noch sehr gut an meine aufgerissenen Lippen erinnern – sie reißen immer bei sehr trockener Luft. Trotzdem ist das ein Naturschatz sondergleichen, selten sieht man in der finsteren Dunkelheit so viele Sterne oder kann in einer Landschaft zwischen Felsen baden, die wie eine Mond-Oberfläche aussehen. Von hier hieß es dann Abschied zu nehmen und zurück nach Deutschland zu fliegen.

Würdest du die Reise heute nochmal genauso machen?

Ich plane Reisen sehr gerne, da ich dann schon eine große Vorfreude empfinde, und mir Planung auch Sicherheit gibt. Ich habe manche gesehen, die zwar Zeit hatten und auch auf Rundreise waren, die aber die ganze Zeit an einem Ort blieben.

Für mich war es die perfekte Mischung aus geplanten Aktionen und spontaner Ideenumsetzung. Außerdem hatte ich nicht nur Familie und Freunde dort besuchen können, sondern spreche seitdem wieder Portugiesisch. Und verstehe meine brasilianische Familie und sie mich. Das ist ein unbezahlbares Geschenk.

Deine drei Lieblingsstücke im Backpack?

  1. Definitiv meine Flipflops, die an meinen Füßen nahezu angewachsen waren.
  2. Später dann auch meine Strickjacke, die mich in São Paulo an den regnerischen Tagen wärmte.
  3. Dann der Rucksack selbst: Das billige Ding hat genau die drei Monate ausgehalten und wurde danach von mir entsorgt.

Was war das unnützeste Teil, das du dabei hattest?

Ich hatte mir unterwegs mal ein Paar geschlossene Schuhe gekauft. Die waren so furchtbar, dass ich mir darin blutige Zehen lief. Ich habe sie dann gegen bequemere Treter eingetauscht.

Deine Tipps, um kostengünstig zu reisen?

Lass dir Tipps von Locals geben, buch möglichst alles direkt selbst, und Finger weg von “Get Your Guide”. Das sind oft nur Anbieter, die entweder vermitteln oder die wissen, dass Tourist:innen mehr bezahlen als auf den brasilianischen Seiten. Mit Google Translate kommt man beim Buchen auch an sein Ziel.

Kurzstrecken würde ich nie fliegen, sondern mit Fernbussen überbrücken. Die Busbahnhöfe (Rodoviario) sind so professionell wie unsere Bahnhöfe in Deutschland organisiert, und die Busse zuverlässig, sicher, klimatisiert und sehr bequem. Und auch wesentlich günstiger als Flüge, ganz zu schweigen vom CO2-Ausstoß.

Wenn man mal mit dem Taxi fahren muss, dann kann ich Uber sehr empfehlen. Nicht nur, weil es günstig ist. Es gibt Taxifahrer:innen, die einen übers Ohr hauen, das passierte mir bei Uber-Fahrten nie. Außerdem muss man nicht zwingend Portugiesisch sprechen, da alles über die App läuft.

Zum Solo-Reisen als Frau: War es schwer für dich, dich alleine auf den Weg zu machen und alleine unterwegs zu sein?

Bianca unterm Wasserfall beim Rafting in Braslien
Bianca unterm Wasserfall beim Rafting in Braslien

Als kontaktfreudige und neugierige Person komme ich gerne und schnell mit anderen ins Gespräch. Öfter haben sich so Gruppen gebildet, man geht gemeinsam aus und erlebt schöne Momente. In der Gruppe zu sein birgt aus meiner Sicht das geringste Risiko. Allein bin ich weniger unterwegs , außer, ich möchte es so. Dann genieße ich das aber auch sehr.

Zu meinem Geschlecht mache ich mir kaum Gedanken. Ich halte diese Angst für fehlgeleitete Erziehung von Mädchen, weshalb ich mich anderen Menschen gegenüber offen, zugewandt und selbstsicher verhalte. Ich habe großes Vertrauen auf mein Bauchgefühl und darauf, dass die meisten Menschen es gut mit einem meinen. Meine Erfahrung ist, dass, wenn man positiv auf Menschen zugeht, man auch Positives zurückbekommt. Was nicht heißt, dass mir noch nie etwas passiert ist, doch das sind für mich dann Ausnahmen, die ich bewusst nicht generalisiere. Eine Generalisierung würde mich als Freiheitsliebende sonst zu sehr einengen. Und wo wären wir, wenn wir wegen ein oder zwei Idioten unser Leben einschränken würden? Eben.

Was hast du gegen Heimweh oder Reisemüdigkeit gemacht?

In der kurzen Zeit von drei Monaten hatte ich weder Heimweh noch Reisemüdigkeit. Für mich war es aber auch die perfekte Dauer, denn danach freute ich mich wahnsinnig wieder auf meinen Lebensgefährten, die Katze, die Leute im Fitnesscenter, meinen Sport und ja, auch auf meine Arbeit. Meinen Arbeitgeber habe ich erst fünf Jahre danach gewechselt. Schätze, ohne Sabbatical hätte ich das viel früher gemacht und vermutlich ohne denselben positiven Effekt für mich.

Was war das Schlimmste, das dir auf der Reise passiert ist?

Sonnenaufgang über Rio de Janeiro
Noch ist alles gut: Sonnenaufgang über Rio de Janeiro

In Rio war ich damals mit Freunden, in einer wunderschönen Vollmond-Nacht, auf den Pedra Bonita (Schöner Fels) gestiegen und habe unter freiem Himmel geschlafen. Am frühen Morgen kamen weitere Personen auf den Felsen, um sich den unbeschreiblich schönen Sonnenaufgang über Rio anzusehen, im Panoramablick der Zuckerhut und der Corcovado mit der Christusstatue.

Jemand von diesen Personen hatte etwas Abseits ein kleines Feuer gemacht. Leider nahm kurz drauf der Wind dort oben zu. Das Feuer verteilte sich auf dem bewachsenen Felsen, die trockenen Gräser und weißen Blumen fingen an zu brennen. Als es immer mehr wurde, wurde es für uns alle dort gefährlich. Wir packten schnell unsere Sachen und liefen den Felsenpfad bergab.

Glücklicherweise kam der Wind von hinten, sodass uns der Weg nicht vom Feuer versperrt wurde. Wie ich später aus den Nachrichten erfuhr, brannte es dort oben einige Stunden, bis Rettungskräfte das Feuer unter Kontrolle hatten. Menschen kamen nicht zu Schaden, doch viele Tiere hatten vermutlich ihr Leben verloren. Das stimmte mir sehr traurig.

Was waren deine schönsten Erlebnisse? Und was hat das Sabbatical bis heute mit dir gemacht?

Bianca taucht in Bonito Jardim in Brasilien
Bianca taucht in Bonito Jardim in Brasilien

Weiter oben habe ich schon einiges zu meinen Erlebnissen auf meiner Reise berichtet und auf meiner Rückreise nach Deutschland fragte ich mich: Was lerne ich daraus? Was kann ich mitnehmen? Ich kam ja aus einer Krise heraus zu dieser Reise. Auf der Reise selbst habe ich mich fast täglich gefragt: Was wollte ich schon immer mal in meinem Leben gemacht haben?

Ich zählte mir meine Erlebnisse auf:

  • vom Wanderritt auf Pipa,
  • Tauchen und Schnorcheln in Flüssen und Lagunen in Bonito,
  • dem Rafting in Jaciara,
  • der Übernachtung unter freiem Himmel in Rio bei Vollmond.

All diese Ereignisse schlossen sich zu einem Gedanken zusammen: Ich liebe Natur und ich liebe es, sie aktiv zu entdecken. Und ein weiterer Gedanke kam hinzu: Warum sollten wir uns die Frage nicht auch stellen, wenn wir zu Hause sind?

Bianca beim Wanderreiten in Pipa
Bianca beim Wanderreiten in Pipa

So wurden aus den Fragmenten mein Reise- und Outdoorblog-Projekt lebedraussen! Hier schrieb ich zunächst alle Erlebnisse auf, die ich in Brasilien hatte, später kamen zahlreiche aus ganz Europa hinzu. Dank des Blogs kam ich nach Norwegen, entdeckte dort das Wandern für mich und später das Trekking mit Zelt. Hierüber wurde ein Journalist auf mich aufmerksam und ich bekam meine eigene Fernsehsendung „Wandern nach Jahreszeiten“ im Saarländischer Rundfunk (ARD).

Dann kündigte ich 2019 meine Stelle als Head of Marketing & Recruiting und wurde Projektmanagerin für individuelle Wanderreisen für eine Reiseagentur.

Im April 2026 gründe ich mein eigenes Unternehmen nature intelligence, wo ich im DACH-Raum und gemeinsam mit weiteren Beratenden, Coaches und Trainer:innen naturbasierte Seminare für Führungskräfte und Teams anbiete, für die mentale Gesundheit zur gesunden (Selbst-)Führung als Erfolgsbasis dazu gehört.

Ich bin heute noch erstaunt, was so ein Sabbatical bewirken kann, wenn man sich nur traut!

Was hat dir die Reise geschenkt – damals und heute?

Ganz klar: innere Freiheit, mehr Selbstvertrauen und stärkere Zuversicht in meine Zukunft. Ich habe außerdem gelernt, dass zu viel Planung zu Unflexibilität im Denken führen kann. Gerade in Zeiten von Unsicherheit ist Flexibilität aber gewonnene Freiheit, ein Wert, der für mich ganz oben auf der Prioritätenliste steht.

Zurück in Deutschland: Hattest du einen umgekehrten Kulturschock?

Ich hatte zwar keinen Schock, aber es war ein kleiner Realitäts-Aufschlag. Dagegen geholfen hat u. a.

  • Facebook auf Portugiesisch umstellen,
  • mir eine Tandem-Partnerin zum Portugiesisch-Reden zu suchen und
  • ganz viel brasilianische Musik zu hören.

Auch das Schreiben der Blogbeiträge für lebedraussen! hielten die schönen Erinnerungen und das Gefühl von Leichtigkeit wach.

Ausblick: Was wäre dein Tipp für jemanden, der:die überlegt, ein Sabbatical zu machen, sich aber vielleicht noch nicht so richtig traut?

Es gibt eine, wie ich finde, gute Beschreibung zu A-N-G-S-T:

A = Annahme
N = negative
G = Gefühle
S = seien
T = Tatsachen

Dass wir Ängste und Sorgen haben, ist normal. Dagegen hilft aber, Informationen einzuholen und sich zu fragen: Sind diese Ängste wirklich berechtigt?

Außerdem können Sabbaticals sehr unterschiedlich ausgestaltet werden. Es muss nicht gleich ein Jahr sein, man muss nicht gleich kündigen. Ich habe danach meine Anstellung wieder aufnehmen können. Es funktioniert auch in kleineren Unternehmen usw.

Der wichtigste Schritt ist zunächst mal der, sich seinen Wunsch zum Sabbatical zu erlauben. Und dann einfach mal schauen, mit welchen Konstellationen von Arbeit, Familie, Zeit- und Geldbudget und Reisepräferenzen sich eine Auszeit umsetzen ließe. Es ist erstmal nur ein Gedankenspiel, das sich Stück für Stück entwickeln darf. Wenn dann alles mal aufgeschrieben und besprochen wurde, dann hat man immer noch die Möglichkeit, alles abzusagen, oder eben den Sprung zu wagen.

Und eine Sache wäre mir noch wichtig zu betonen: Geld lässt sich immer wieder verdienen. Ist aber Lebenszeit verstrichen, ist sie für immer verloren.

Über Bianca Gade

Portrait Bianca Gade
Bianca – am glücklichsten in der Natur

Bianca ist bloggende Chefabenteurerin bei lebedraussen! sowie Gründerin von nature Intelligence. Dank ihres Mikro-Sabbaticals in Brasilien begab sie sich 2014 auf eine persönliche Reise zu ihren Wurzeln, die ihr zu mehr innerer Klarheit und Authentizität verhalf, der Grundstein für ihr Unternehmen.

Heute begleitet sie Führungskräfte und Teams mit Resilienz- und Mentaltrainings und hilft ihnen, mental gesunde Karrieren zu gestalten. Außerdem ist sie Gründerin des Open-Source-Magazins für mentale Gesundheit in digitalen Arbeitswelten, das quartalsweise mit zahlreichen Informationen und Interviews kostenlos veröffentlicht wird.

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