Mit 22 Jahren kündigt Briana ihren sicheren Bürojob in der Schweiz und tauscht den Schreibtisch gegen ein Leben in der Wildnis. Zwei Monate nach ihrer Zusage lebt sie auf einer abgelegenen Huskyfarm in Nordschweden, versorgt sechs Tage die Woche über 30 Hunde und arbeitet bei extremen Temperaturen von bis zu -40 Grad. Was als Kindheitstraum begann, wird für sie zu einer Reise zu sich selbst. Die zehn Monate zeigen ihr nicht nur, wie viel Kraft und Mut in ihr stecken, sondern auch, dass sie ihr altes Leben nicht mehr zurückhaben möchte. Warum eine Absage sie erst recht zum Aufbruch motivierte, wie sie ihren Traum verwirklichte und weshalb das Abenteuer für sie noch lange nicht vorbei ist, erzählt die Schweizerin im Interview.
- Auszeitmotto: Wenn nicht jetzt, wann dann? Und: Weil irgendwann irgendwann zu spät ist.
- Reiseziele: Huskyfarm Cold-Nose Huskies in Gargnäs, Schweden
- Dauer: 10 Monate
- von … bis: August 2025 bis Mai 2026
- Alter bei Reisestart: 22
- Reiseart: solo
- Gesamtbudget: 8‘000 CHF (ca. 8.600 Euro)
- Impfungen: keine
- Job: gekündigt
- Wohnung: noch keine eigene, Zimmer bei den Eltern
- Aus der Schweiz abgemeldet: nein
- Versicherungen für die Auszeit: keine
- Kranken- und Rentenversicherung: KV weitergezahlt, obligatorisch in der Schweiz (ca. 250 CHF/Monat), zusätzlich Unfallversicherung dazugebucht, freiwillig in die RV eingezahlt (500/CHF).

Dein Warum: Eigentlich wolltest du nach deiner Ausbildung direkt eine Weiterbildung beginnen. Wann hast du gemerkt, dass sich das plötzlich nicht mehr richtig angefühlt hat?
Ich habe in einem Treuhandbüro gearbeitet und mochte den Job im Grossen und Ganzen sehr gerne. Manchmal war es ein bisschen eine Hass-Liebe. Ich habe in kurzer Zeit viel gelernt, und daran hatte ich Freude. Allerdings bin ich bei den meisten Dingen, die ich mache, ein bisschen extrem „all in“ und irgendwann habe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen.
Als ich dann nach einem beruflich herausfordernden Start ins Jahr 2025 mit weniger Energie und Elan als üblich noch nach einer Weiterbildung gesucht habe, ist mir Schritt für Schritt bewusst geworden, dass das für mich im Moment nicht der richtige Weg ist. Bewusst wurde mir das vor allem, als im Frühling die Arbeitslast abnahm und objektiv gesehen die Situation wieder einfacher war. Trotzdem hatte ich nicht mehr die gleiche Energie und Freude für den Job. Daraufhin habe ich angefangen, mir zu überlegen, ob ich nicht vor der Verpflichtung einer Weiterbildung erstmal einer meiner Reiseträume realisieren sollte.
Du hattest einen guten Job, tolle Kolleg:innen und viele Vorteile. Warum war kündigen trotzdem die richtige Entscheidung für dich?
Für mich war das immer die einzige Option. Ich habe mir gar nie überlegt, was für andere Möglichkeiten es gäbe. Ich glaube, mir war schon damals bewusst, dass ich nicht mehr in dieses Leben werde zurückkehren können (bzw. wollen). Mir war aber auch bewusst, dass ich wieder in die gleiche Firma zurückgehen könnte. Ich hätte mein Leben fast eins zu eins wieder aufnehmen können, und dieses Sicherheitsnetz hat mit viel bedeutet. Tut es immer noch. Wenn alle Stricke reißen, steht mir im Moment diese Möglichkeit noch offen. Aber mir ist dieses alte Leben mittlerweile zu klein geworden.
Gab es einen konkreten Moment, in dem du wusstest: Jetzt mache ich das wirklich?
Die erste Bewerbung bei einer Huskyfarm habe ich Mitte April 2025 geschickt, mit dem Gedanken, einfach mal schauen, ob es klappt. Daraufhin kam dann lange keine Antwort, und als ich gegen Ende Mai nachgefragt habe, kam eine Absage. Als ich diese gelesen habe, wurde mir klar, doch, das will ich unbedingt machen. Wenn es auf dieser Farm nicht klappt, suche ich mir halt eine andere.

Malin und Lars von Cold-Nose Huskies waren dann die ersten, die geantwortet haben. Ich habe gerade nochmals nachgeschaut und tatsächlich habe ich am Morgen die Mail geschickt, und das erste Telefongespräch war dann noch am gleichen Abend.
Warum ausgerechnet eine Huskyfarm in Schweden? Wie bist du auf diese Idee gekommen? Wie hast du deine Farm gefunden?
Träume hatte ich schon immer reichlich, aber auch immer die Sorge im Hinterkopf, dass ich diese nie verwirklichen werde und es für immer Träume bleiben. Nun weiss ich zum Glück, dass das nicht der Fall ist.
Warum es ausgerechnet der Traum vom Arbeiten auf einer Huskyfarm ist, den ich als erstes realisiert habe, kann ich nicht sagen. Angefangen hat meine Faszination für das Hundeschlittenfahren und Leben im Norden mit den Büchern von Christopher Ross, die ich als Kind geliebt und verschlungen habe. Er hat viele Bücher über weibliche Musherinnen geschrieben, die in Alaska mit ihren Huskies verschiedene Herausforderungen meistern. Musher:innen sind Menschen, die ein Hundeschlittengespann führen. Sie lenken und trainieren die Huskys und nehmen mit ihnen an Touren oder Rennen teil.

Das hat mich fasziniert. Ich habe viele Dokus und einige Vorträge über Skandinavien gesehen, und einfach nach Huskyfarmen in Skandinavien gegoogelt und ein paar Farmen angeschrieben. Viele Huskyfarmen haben auf ihrer Website eine Unterseite „Farmhilfe gesucht“ oder ähnliches.
Wie hast du deine Auszeit organisiert? Musstest du viel planen?
Ich hab’s nicht so mit planen und organisieren und bin meistens ziemlich spontan unterwegs. Die Idee schwirrte schon eine Weile in meinem Kopf herum, aber bevor ich die Zusage der Huskyfarm nicht hatte, habe ich auch nichts geplant oder organisiert.
Zwischen dem ersten Telefonat und der Anreise lagen zwei Monate. Das kam aber vor allem daher, dass ich eigentlich eine Stelle für Herbst/Winter gesucht habe. Das ist bei den meisten Helfer:innen die bevorzugte Zeit. Ich habe auf meine Anfrage die Antwort erhalten, dass sie für im Winter das Team schon haben, dass sie aber Sommer/Herbst noch Hilfe bräuchten und dass es bei großem Interesse für die richtige Person (jemand, der ins Team passt) die Möglichkeit gäbe, über Winter zu bleiben.
Als ich abgereist bin, wusste ich also nicht, wie lange ich weg sein werde. Das ich schlussendlich bis im Mai 2026, also zehn Monate dortbleiben werde, hätte ich nie gedacht. Das hat das Packen und Ausrüstung kaufen ziemlich schwierig gemacht und mich einiges an Nerven gekostet.
Schlussendlich habe ich in Schweden noch ein bisschen was gekauft, aber eigentlich auch nicht mehr viel, und vermisst habe ich nichts. Da ich noch bei meinen Eltern wohne, musste ich mich zum Glück auch nicht um eine Wohnung kümmern. An der Kündigungsfrist wäre die kurzfristige Abreise beinahe gescheitert, aber durch ein großzügiges Entgegenkommen meines Arbeitgebers, plus ein paar angesammelten Überstunden, konnte ich wie geplant abreisen.
Wie funktioniert das finanziell? Welche Kosten hattest du selbst und welche wurden übernommen?

Ich habe gegen Kost und Logis gearbeitet. D.h. ich hatte als Unterkunft eine eigene kleine Hütte auf dem Hof, und wir haben monatlich Bargeld für unsere Lebensmittelausgaben erhalten, so konnten wir selber für uns als Helfer:innen einkaufen und kochen.
Der größte Teil des Betrags der oben im Budget aufgelistet ist, kommt von der Einzahlung in die freiwillige Altersvorsorge, die ich weiterhin getätigt habe. Ausrüstungskosten hatte ich auch einige, aber das sind Sachen, die ich immer noch brauche und an denen ich Freude. Dazu kamen noch Reisekosten und Krankenkasse.
Ich denke, wenn man ein bisschen klug plant, gewisse Sachen ausleiht oder Second Hand kauft (die Hälfte geht sowieso kaputt und der Rest riecht dann nach Hund ;)) und nur die Pflichtbeiträge einzahlt, ist diese Art zu Reisen sehr kostengünstig und mit kleinem Budget realisierbar.
Leben auf der Huskyfarm: Nimm uns einmal mit auf einen typischen Tag. Wie sah dein Alltag zwischen den Huskys aus? Welche Aufgaben hast du übernommen?
Ich merke gerade, wie schwierig es ist, diese Frage zu beantworten, ohne gleich ein ganzes Buch zu schreiben. Die Tagesabläufe sind immer ähnlich, ändern sich aber mit den Jahreszeiten. Gewisse Sachen müssen jeden Tag gemacht werden, einige nur ab und zu und dann gibt es noch das Unvorhergesehene, das immer mal wieder reinschwappt.
Die Hunde

Ich versuche Mal, einen Wintertag zu beschreiben. Im Winter hatten wir ca. 30 Huskies zu trainieren beziehungsweise, um Touren mit Gästen durchzuführen. Dazu kamen noch zwei Würfe Welpen vom letzten Sommer, die mit ihren etwas mehr als sechs Monaten gerade angefangen hatten, zu trainieren. Zudem einige Senioren, die sich gefreut haben, wenn man ab und zu mit ihnen spazieren geht und zwei ältere Huskydamen, die im Haus leben und die täglich mehrmals rausmüssen.
Die Begebenheiten
Die meiste Zeit im Winter waren wir zu Dritt. Der Morgen startet um 7 Uhr, als erstes kriegen die Hunde Pansensuppe (Pansenstücke in lauwarmem Wasser), damit sie genug Flüssigkeit aufnehmen, da man im Winter kein Wasser in den Näpfen lassen kann, weil es so kalt ist. Die Temperaturen im Winter können von Plusgraden bis zu -30 Grad hin und her schwanken. Wir haben einen kalten Winter erwischt, das kälteste war -40 Grad, und wir hatten oft tagelang unter -30 Grad. Ich persönlich finde bis -30 Grad sind okay, alles darunter ist einfach nur kalt, und Hände und Füße leiden den ganzen Tag. Nach der Suppe müssen die Zwinger gereinigt werden, das Essen für die Gäste vorbereitet und noch andere Kleinigkeiten gemacht werden.
Hundeschlitten-Touren mit Gästen
Danach ein rasches Frühstück bevor um 10 Uhr die Gäste kommen. Oder oft auch mal eine Viertelstunde zu früh. Dann werden die Gäste vom Guide ins Schlittenfahren eingeführt und die Hunde eingespannt. Wenn möglich waren wir zwei Guides, eine Vorneweg und eine als Schlusslicht.
Die Person, die auf dem Hof bleibt, hat sich derweil um andere Dinge gekümmert wie z.B. Hundepflege oder anfallende Aufgaben auf dem Hof. Wenn es geschneit hat, z.B. gaaanz viel Schneeschippen.
Die Tour war dann am späteren Nachmittag zu Ende, je nach Temperatur. Danach werden die Hunde versorgt und alles aufgeräumt. Irgendwann dazwischen kurz etwas essen.

Abende und freie Tage
Am Abend werden die Hunde dann gefüttert, mit Fleisch und Trockenfutter und die Zwinger nochmals sauber gemacht. Je nach Tagesplanung und anfallenden Arbeiten wurde es am Abend mehr oder weniger spät.
Einen Tag in der Woche hatten wir frei (abwechselnd). An dem Tag war ich immer froh, ausschlafen zu können und den Tag im warmen Bett mit einem guten Buch zu verbringen und ein bisschen Familie und Freunde zu Hause upzudaten.

Was war körperlich oder mental am herausforderndsten?
Körperlich war es am Anfang eine Umstellung: von den ganzen Tag im Büro sitzen zu den ganzen Tag draußen körperlich arbeiten. Da ich aber im Sommer angefangen habe, als die Arbeitslast noch nicht so hoch war und alles ein bisschen gemütlicher lief, habe ich das nie groß als Problem angesehen.
Im Winter war die Kälte sowohl körperlich wie auch mental herausfordernd. Als es zum ersten Mal -30 Grad waren, dachte ich, dass ich das nie im Leben den ganzen Winter schaffe. Aber man gewöhnt sich schnell daran und wenn man eine positive Haltung der Kälte gegenüber hat, ist das gut machbar.

Mental herausfordern kann im Winter auch die Dunkelheit sein, gerade Dezember und Januar haben viele dunkle Stunden. Um den kürzesten Tag rum sind es nur wenige Stunden Dämmerlicht und die Stirnlampe ist der treuste Begleiter. Ich fand es aber weniger schlimm, als ich erwartet hätte. Auch da ist vieles Einstellungssache und weil der kürzeste Tag im Dezember ist, weiß man dann, dass es wieder in die andere Richtung geht.
Und was waren die schönsten Momente? Welche Erlebnisse sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Es gibt zahlreiche Momente, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Die vielen schönen Erlebnisse, aber auch die schwierigen Situationen, die herausfordernd waren, sind mir geblieben. Die Arbeit mit Huskies ist toll, ich liebe die Rasse sehr und die Kuschelmomente zwischendurch waren immer sehr schön und sind mir lebendig im Kopf geblieben.

Mit Hunden zu arbeiten bedeutet aber auch, dass immer etwas passieren kann: Die Tiere verletzen sich ab und zu, und ich musste lernen, was dann zu tun ist und wie zu reagieren. Wunderschön fand ich Tage im späten Winter, wenn die Sonne wieder etwas Kraft hatte, der Schnee überall wunderschön glitzerte, und wir die Hunde trainieren konnten.
Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Wochentour im April 2026, bei der wir mit Gästen ein paar Tage mit Schlitten von Hütte zu Hütte gefahren sind, und alles auf das Wesentliche reduziert war. Und die beiden Welpengeburten, bei denen ich dabei war.
Gab es einen Husky, der dir besonders ans Herz gewachsen ist?
Man hat schon seine Lieblinge, bei denen man 5 Minuten länger bleibt und einmal mehr streichelt. Im Winter habe ich mir durchaus auch überlegt, ob ich einen Husky als Haushund übernehmen soll, wie es schon so einige Helfer:innen gemacht haben. Ich habe mich aber dagegen entschieden, und bin auch froh darüber, ein Hund passt leider im Moment nicht in mein Leben.

Die Hündin, die ich als Liebling nennen würde, ist Ille. Ille ist eine schwarze Huskydame, die nach einem Kreuzbandriss und einer Operation ins Haus gezogen ist und immer noch da wohnt, zusammen mit Myra. Über den Winter hatte ich die beiden bei mir in der Hütte, damit sie in der Nacht nicht alleine sind. Zu Hause wäre bei mir kein Hund ins Bett gekommen, aber für die beiden war es keine Frage, ob sie im Bett schlafen. Eher wie viel Platz sie mir am Bettrand übriglassen. Daran habe ich mich schnell gewöhnt und mochte die beiden immer mehr, auch durch die vielen Spaziergänge. Und Ille ist einfach ein Hund, mit ganz eigenem Charakter und einem sehr liebenswertem und ein bisschen spinnenden Wesen. Schwer, das in Worte zu fassen, man muss sie fast kennen 🙂
Wie hast du das Leben in der schwedischen Wildnis empfunden?

Für mich war es einfach nur traumhaft. Sehr abgeschieden, überall nur Natur. Wenig Menschen, Begegnungen mit Rentieren und Elchen. Immer wieder Nordlichter, monatelang alles verschneit und nicht nach einer Stunde grauer Schneematsch. Die Natur und Abgeschiedenheit vermisse ich sehr. Ich war noch nie sonderlich gerne in der Stadt oder in grossen Einkaufsläden etc., aber seit ich zurück bin, finde ich es noch schwieriger und wünsche mich jedesmal nach Schweden.
Gab es Momente, in denen dir bewusst wurde, wie weit weg dein bisheriger Alltag plötzlich war?
Einige, das wurde mir immer wieder bewusst. Es gab so viele Erlebnisse, die meilenweit von meinem bisherigen Alltag entfernt waren. Wenn mir das mal wieder bewusst wurde, musste ich meistens Lächeln und dachte „Wow, wie cool ist das eigentlich!?? Und danke an mein Vergangenheits-Ich für dieses Entscheidung.“
Es wurde mir aber auch immer dann bewusst, wenn es gerade schwierig wa, und dann waren es auch mal Gedanken wie „Was mache ich hier eigentlich?“ Das Positive hat aber immer überwogen und ich konnte sehr viel daraus lernen, so ganz weit weg von meinen bisherigen Erfahrungen zu leben.
Was hast du in diesen Monaten über dich selbst gelernt?
Sehr, sehr viel 🙂 Auch viel, was ich bereits wusste, aber mit der Erfahrung erst richtig verstanden habe. Zum Beispiel, dass man sich selber immer mitnimmt. War mir schon klar, aber dann auch zu erleben wie es ist und wie man damit umgeht, wenn man im Traumleben schlecht drauf ist, war sehr spannend und lehrreich.
Zudem habe ich gelernt, was ich alles kann: Probleme lösen, Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein. Letzteres lernt man durch einen ganzen Hof voller lauter Huskies ganz gut, da muss man lernen, sich durchzusetzen.
Hat dir die Auszeit geholfen, klarer zu sehen, wie dein beruflicher Weg weitergehen soll?
Eher im Gegenteil, ich weiss jetzt vor allem, was ich nicht will – den ganzen Tag im Büro sitzen. Aber ich habe keine Ahnung, was ich sonst machen soll. Das bin ich gerade am Herausfinden. Und ich bin froh, dass mir das meine Auszeit gezeigt hat, denn dass mich das Leben, das ich davor geführt habe, auf Dauer nicht glücklich macht, habe ich schon lange gespürt, aber einfach ignoriert.
Wie war die Rückkehr in die Schweiz?
Meine Rückkehr war nur kurz, Familie und Freund:innen besuchen, ein paar Dinge erledigen und ab ins nächste Abenteuer. Ich habe in Schweden nämlich beschlossen, meine Auszeit noch etwas zu verlängern. So richtig bin ich also nicht in den Alltag zurückgekommen.
Die Umstellung fiel mir aber trotzdem sehr schwer. Damit habe ich auch nicht so gerechnet. Vor allem, weil ich mich sehr gefreut habe, nach so langer Zeit wieder zu Hause zu sein, Freund:innen zu treffen, mehr Zeit für mich zu haben und noch so einiges mehr.
Ich habe aber unterschätzt, wie heftig die Umstellung ist, quasi von 100 auf null. Ich dachte, ich entspanne die zwei Monate einfach ein bisschen, aber das habe ich nicht ausgehalten. Ich bin in ein Loch gefallen und hab die Arbeit vermisst.
Darum habe ab Juni 2026 schon wieder gearbeitet: auf einem Hof, auf dem ich schon vorher gearbeitet hatte. Dort habe ich bei der Erdbeerernte und -verarbeitung mitgeholfen. Und Mitte Juli 2026 ging‘s auch schon wieder los zum nächsten Abenteuer, Mithilfe bei der Restauration eines alten Segelschiffs.
Und wie bist du zu deinem nächsten Abenteuer auf einer Segelyacht in den Niederlanden gekommen? Hast du schon Erfahrungen mit dem Segeln?
Nein, ich habe noch keine Erfahrungen mit dem Segeln, ich wollte es einfach schon immer mal ausprobieren. Mich fasziniert die Art, auf einem Segelschiff unterwegs zu sein. Ich bin über einen Newsletter zu einer Segelcommunity (Ocean Nomads) gekommen und habe dann die Gelegenheit ergriffen, als jemand Hilfe für die Restaurierung seines Segelschiffes gesucht hat.
Jetzt schaue ich mal, wie das so ist und hoffe, dabei möglichst viel zu lernen. Danach möchte ich noch eine Weitwanderung machen, ungefähr so drei Wochen und im November 2026 gehe ich für eine weitere Saison zurück nach Schweden, voraussichtlich bis Ende März/Anfang April 2027.
Eigentlich dachte ich, das wird ein “Once in a Lifetime”-Erlebnis, aber als sie mich gefragt haben, ob ich mir das nochmal vorstellen könnte, habe ich mich sehr gefreut. Und das macht es jetzt auch leichter, zu wissen, dass ich die Hunde wiedersehen werde.
Wem würdest du eine Auszeit wie deine empfehlen?

Ich würde es sofort wieder machen und freue mich sehr darauf, zurückzugehen. Das habe ich auch bei anderen gesehen, wem es gefällt, die:der kommt oftmals wieder.
Wichtig finde ich einfach, dass einem bewusst ist, dass es kein klassisches Work and Travel ist, wo man ein paar Stunden gegen Kost und Logis mithilft. Es ist gegen Kost und Logis, aber die Arbeitstage sind länger und oftmals strenger, als in einem „klassischen“ Job, irgendwo in der Schweiz oder in Deutschland. Man braucht eine positive Einstellung, viel Hundeliebe und eine hohe Arbeitsmotivation.
Viele Leute stellen es sich zu romantisch vor und kommen mit der Abgeschiedenheit, der Dunkelheit und den kalten Temperaturen nicht klar. Wen das nicht abschreckt, unbedingt machen. Mich überzeugt auch, dass eine Auszeit wie diese kein riesiges Budget und monatelange Planung braucht. Zudem ist es ein einfacher Einstieg ins Reisen, weil man über längere Zeit am gleichen Ort bleiben kann.
Was wäre dein Tipp für jemanden, der:die überlegt, ein Sabbatical zu machen, sich aber vielleicht noch nicht so richtig traut?
Einfach machen, könnte gut werden. Es gibt für alles eine Lösung davor, während, danach. Probleme werden auftauchen, aber man lernt auch, wie man sie löst und wie man sich selber helfen kann. Oder wann man doch Hilfe von Außen braucht und bei wem man diese findet. Ich bin kein Planungsmensch und ein Angsthase, aber ich habe es geschafft und dabei vieles gelernt. Einfach Schritt für Schritt anfangen und dann ist es „learning by doing“. Und fürs Leben lernt man bei so einer Auszeit unglaublich viel.
Über Briana Ruch

Ich bin Briana, 23 Jahre alt. Meine Hobbies sind Lesen, Fotografieren, Draußensein. Kaffee ist mein Lebenselixier, ohne funktioniere ich nur bedingt. Ich bin ein Fan von kitschigen Sprüchen und Lebensweisheiten. Mein Ziel ist, nicht mehr zu fliegen und meine Reiseziele per Zug, Bus oder Schiff zu erreichen.
Bevor ich nach Schweden abgereist bin, habe ich in einem Treuhandbüro gearbeitet und samstags zusätzlich im Hofladen eines Biohofs. Weil ich immer viel gearbeitet und wenig ausgegeben habe, kann ich es mir jetzt leisten, meine Auszeit noch eine Weile zu verlängern, ohne dies je geplant zu haben. Den Freiheitsdrang und Abenteuergeist in mir habe ich schon lange gespürt, aber doch eine Weile ganz gekonnt verdrängt.
Ich lerne gerne Neues und habe zahlreiche Träume. Neue Leute kennenzulernen und von ihnen zu lernen, finde ich sehr inspirierend. Gleichzeitig brauche ich viel Zeit für mich und mache sehr gerne Sachen alleine.
Vieles erledige ich auf den letzten Drücker, auch wenn ich es mir immer wieder anders vornehme. So habe ich mir auch als Ziel gesetzt, diese Interviewfragen vor meiner Abreise fertigzustellen. Da der abgemachte Abgabetermin aber kurz nach Abreisedatum ist, schreibe ich das meiste jetzt gerade in den Niederlanden, in einer kurzen Pause vom Boot renovieren.
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- #26 – mit Briana: 10 Monate auf einer Huskyfarm in Schweden
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