Sabbatical-Interview #25 mit Marcel: Sabbatical als Sprungbrett in die Selbstständigkeit plus 100 Tage Weltreise

Der Burn-out seines Bruders bringt IT-Berater Marcel zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und pflanzt die ersten Samen für Sabbatical und Selbständigkeit. Als es schließlich konkret wird mit der Auszeit, werden die ursprünglich erdachten drei Monaten zum Reisen ein ganzes Jahr. Doch zunächst steht das Reisen gar nicht im Mittelpunkt.

Gemeinsam mit seinem Bruder arbeitet Marcel neun Monate lang intensiv am Aufbau einer eigenen Medienagentur und entwickelt parallel seine Personal Brand als Reise-Foto- und Videograf weiter. Die Zeit ist geprägt von harter Arbeit, Unsicherheit und großen Entscheidungen.

Die anschließende 100-tägige Weltreise mit seiner Partnerin wird zur Belohnung für ein Jahr, das sein Leben nachhaltig verändert hat. Im Interview erzählt Marcel, warum er seinen sicheren Job gekündigt hat, welche Herausforderungen ihn ausgebremst haben und weshalb er den Schritt trotzdem nie bereut hat.

Kurzinfo zu Marcels Sabbatical
  • Motto: Sprungbrett in die Selbständigkeit
  • Dauer: 1 Jahr
  • von … bis: 1.5.2025-30.4.2026
  • Alter bei Sabbatical-Beginn: 34
  • Monatsbudget: 2000-3000 Euro
  • Jahresbudget: ca. 30.000 Euro
  • Sabbatical-Modell: klassisches Sabbatical mit Anspar- und Freistellungsphase (10 Monate und 11 Monate) + 1 Monat regulärer Urlaub
  • Job: auf Eis, während der Auszeit gekündigt
  • Kranken- und Rentenversicherung in DE: lief über Gehalt weiter

Warum hast du dich für dieses Sabbatical zu diesem Zeitpunkt entschieden?

Marcel und Norman Zirpins
Die Brüder Marcel und Norman Zirpins bei einem Hochzeits-Auftrag

Auslöser war der Burn-out meines Bruders im Jahr 2021. Wir hatten immer schon engen Kontakt und sind ein gutes Team. In dieser Zeit haben wir besonders viel gesprochen und über den Sinn des Lebens nachgedacht.

Der Ursprungsgedanke zum Sabbatical kam meiner Freundin Fini und mir klassisch vor ein paar Jahren, als wir merkten, wir wollen nochmal länger am Stück reisen.

2024 brachte sie mich dann auf die Idee, nicht nur nach drei Monaten für die Reise zu fragen, sondern nach mehr, wenn ich versuchen will, mich im Bereich Foto- und Videografie selbstständig zu machen. Ich hatte bereits seit drei Jahren ein Nebengewerbe dafür. Also habe ich mit meinem Arbeitgeber gesprochen und die Bewilligung ein ganzes Jahr bekommen.

Was hast du in deinem Sabbatical gemacht?

Fini und Marcel am Machu Picchu in Peru
Fini und Marcel am Machu Picchu in Peru

Von Tag 1 haben mein Bruder und ich zusammen intensiv am Aufbau erster Strukturen unserer geplanten kleinen Medienagentur gesprochen. Wir haben jeden Tag strukturiert an dem Thema gearbeitet. Wir haben es sehr ernst genommen und jeden Tag viel Zeit und Energie reingesteckt.
Parallel habe ich meine Personal Brand mit Fokus auf Reisefoto- und Videografie aufgebaut, und mein Bruder seine im Bereich Coaching.

Am 20. Januar 2026 ging es dann für uns los auf Weltreise: genau 100 Tage um die Welt.

Was hat deine Führungskraft zu deinem Sabbatical-Wunsch gesagt?

Mein Unternehmen hat eine sehr starke Mitarbeitendenkultur. Heißt, es wird extrem viel in Bewegung gesetzt, um Dinge möglich zu machen. Mein erstes Gespräch mit meiner Bereichsleiterin bezüglich des dreimonatigen Sabbaticals lief ganz entspannt und positiv. Zwei Wochen später bin ich nochmal auf sie zugegangen und habe im persönlichen Gespräch nach zwölf Monaten Sabbatical gefragt. Da waren die Augen natürlich erstmal größer.

Aber was mich total beeindruckt hat, war, dass sie sagte „das sollten wir eigentlich auch hinkriegen, wir haben ja noch genügend Vorlaufzeit, bis du starten willst. Deine Projekte sollten wir bis dahin übergeben bekommen“. Zu dem Zeitpunkt war ich sechs Jahre im Unternehmen. Die Vorlaufzeit von ca. einem Jahr war lang genug, sodass ich ab dann einfach nicht mehr für neue Projekte eingeplant wurde.

Landschaft
Drohnenflug über dem Aksay Canyon in Kirgisistan

Welches Sabbatical-Modell hattest du?

Ich habe mich für eine Variante des klassischen Sabbatjahrs mit zehn Monaten Anspar- und elf Monaten Freistellungsphase entschieden. Zusätzlich habe ich einen Monat regulären Jahresurlaub drangehängt.

Wie hast du deine Auszeit finanziert?

In der Ansparphase habe ich über meinen Arbeitsgeber 10.000 Euro gespart, die über elf Monate verteilt ausgezahlt wurden. Das ist deswegen praktisch, weil davon die Sozialversicherungen in Deutschland während des Sabbaticals weitergezahlt wurden (Kranken- und Rentenversicherung).

Tipp: Es ist wichtig, dass im Sabbatical mindestens 550 Euro brutto pro Monat ausgezahlt werden, damit die Sozialversicherungen gedeckt sind und man nicht in die Mini-Job-Sparte rutscht.

Schön war, dass ich meine Benefits wie Deutschlandticket, Fitness-Studio und BahnCard auch während des Sabbaticals behalten konnte.

Insgesamt haben sich die Kosten für meine Job-Auszeit sich wie folgt verteilt:

  • Kleines Gehalt vom Arbeitgeber (ca. 700 Euro netto) + Ersparnisse
  • 18.000 Euro für die neun Monate zu Hause in Hamburg
  • 12.000 Euro für die drei Monate Reise

Als Belohnung für die harte Arbeit bist du am Ende deiner Auszeit mit deiner Partnerin auf Reisen gegangen. Ein Mikro-Sabbatical im Sabbatical sozusagen. Wo wart ihr überall?

Auf Weltreise: Fini und Marcel vor einem Vulkansee
Auf Weltreise: Fini und Marcel vor einem Vulkansee auf Java, Indonesien

Die ersten neun Monate der Auszeit waren hart: viel gearbeitet, wenig Freizeit. Eigentlich sogar weniger Urlaub gemacht als die Jahre zuvor.

Umso mehr habe ich mich auf die Reise-Auszeit von Januar bis April 2026 mit meiner Freundin Fini gefreut, die dann ebenfalls für fünf Monate ins Sabbatical gegangen ist.

Unsere Reise-Route sah so aus:

  • 2 Wochen Java & Bali, Indonesien
  • 3 Wochen Neuseeland
  • 3 Wochen Australien
  • 3 ,5Wochen Peru
  • 1,5 Wochen Bolivien
  • 1 Woche Aruba

Was waren die schönsten Momente in deinem Sabbatical?

Marcel und Normal vor Hochhaus
In Marcels Sabbatical gründen sein Bruder Norman und er eine Medienagentur.

Mein großes Highlight war natürlich unsere Weltreise. Am meisten haben mir Java, Neuseeland und Bolivien gefallen. Es gab aber auch einige Meilensteine, die mein Bruder und ich erreicht haben. Foto- und videografische Begleitung eines großen zweitägigen Firmenjubiläums einer Werft und erste Kontakte zu potenziellen Kunden in die USA. Wir hoffen auf ein Projekt im Jahr 2026.

Gab es auch Tiefpunkte?

Die letzten Monate waren mental sehr belastend. Es kommt gerade sehr viel Stress und Unsicherheit zusammen:

  • Einen Untermieter für unsere Wohnung während unserer Reise zu finden war nicht leicht, hat aber kurz vor Weihnachten geklappt.
  • Einreichung einer Rüge unseres Mietpreises, wir zahlen viel zu viel Miete. Der Vermieter, der nebenan wohnt, war natürlich überhaupt nicht erfreut, dass er uns einen fünfstelligen Betrag schuldet.
  • Große Entscheidung, wie es nach dem Sabbatical weitergeht: Zurück in den gleichen Job, Kündigung, Teilzeitstelle, oder doch volle Selbstständigkeit, …? Am Ende habe ich mich dafür entschieden, zu kündigen und mich komplett selbständig zu machen.
  • Management von Kollaborations-Anfragen für unsere Reise. Darüber konnten wir Rabatte bekommen, während wir Content erstellen.
  • Ein großer Blocker in unserer Medienagentur war, dass der geplante Name markenrechtlich schon geschützt war. Das bedeutet, wir müssen uns gewissermaßen umbranden. Unser Rechtsanwalt brauchte sehr lange dafür, was andere Dinge wie die Erstellung des Gesellschaftsvertrages und die Eröffnung eines Geschäftskontos verzögert hat.

Diese ganzen Themen wirken sich aktuell auch sehr auf meine Kreativität aus. Ich habe das Gefühl, ich muss erst diese Baustellen beseitigen, bevor ich wieder durchstarten kann.

Was hat dir das Sabbatical geschenkt?

Zeit, mich mit den Dingen zu beschäftigen, die mir wirklich Spaß machen. Auch wenn das Hobby zum Beruf wird, hatte ich noch keinen Tag, an dem ich keine Lust hatte, Dinge voranzutreiben, Fotos oder Videos zu bearbeiten.

Wie geht es nach dem Sabbatical für dich weiter?

Das war lange die große Frage. Inzwischen habe ich meinen Festangestellten-Job an den Nagel gehängt, obwohl es ein super Arbeitgeber ist, um meinem Traum von der Selbständigkeit als Foto- und Videograf nachzugehen.

Ausblick: Was wäre dein Tipp für jemanden, der:die überlegt, ein Sabbatical zu machen, sich aber vielleicht noch nicht so richtig traut?

Auf der faktischen Seite ist das Wichtigste in meinen Augen wahrscheinlich die Planung und Vorbereitung. Dazu gehören vermutlich vor allem die Beantwortung der Fragen wie:

  • Wie lange soll das Sabbatical gehen?
  • Was will ich währenddessen machen?
  • Welche finanziellen Mittel brauche ich für meine Vorhaben?
  • Je nach Sabbatical-Modell: Wieviel bekomme ich ausgezahlt und wieviel muss ich ansparen?

Eine gute Planung gibt Sicherheit und reduziert Risiken.

Auf der emotionalen Seite sollte ich mir vermutlich erst die Frage beantworten, was ich von so einem Sabbatical erwarte und warum ich es überhaupt machen möchte. Was ist also meine persönliche Motivation dafür?

Ich selbst habe in den letzten Jahren immer mehr erkannt, dass ich nicht der typische Karrieremensch bin, der das ganz große Geld verdienen muss. Mir sind Erfahrungen, die mir eigentlich nur das Reisen geben kann, wesentlich wichtiger. Ich persönlich möchte mehr aus meinem Leben herausholen, als bis zur Rente angestellt zu sein. Reisen ist ein essenzieller Punkt für mich. Und eine längere Sabbatical-Reise kann mir nochmal viel mehr geben als ein klassischer, zweiwöchiger Urlaub.

Was ich sagen will: jede:r sollte sich vorher überlegen, wie man so ein Sabbatical gestalten will und welche positiven Auswirkungen es haben kann. Dazu kann für mich auch zählen, dass einfach mal wieder mehr Ruhe in das Leben einkehrt und man sich auf die eigentlich wichtigen Dinge besinnt (Freunde, Familie, Hobbys).

Über Marcel Zirpins

Marcel Zirpins mit Kamera
Marcel bei der Arbeit

Ich liebe Abenteuer und neue Dinge zu entdecken. Reisen ist für mich entsprechend ein großer Teil meines Lebens. Bevor ich 40 werde, möchte ich alle sieben Kontinente bereist haben. Klingt zwar cheesy, aber ich möchte auf meinem Sterbebett später nicht bereuen, dass ich Dinge aufgrund von Ängsten oder vermeintlichen gesellschaftlichen und sozialen Zwängen nicht gemacht habe. Deshalb hänge ich meinen sicheren und gutbezahlten Job als IT-Berater mit 35 Jahren an den Nagel und stürze mich aus der Komfortzone in das Abenteuer der Selbstständigkeit. Entweder es klappt, oder ich bin in zwei Jahren wieder im Job. Aber ich kann mir nicht vorwerfen, es nicht probiert zu haben. Ich freue mich, wenn du auf meiner Website vorbeischaust und mir auf Instagram folgst.

Mehr Erfahrungsberichte: alle Auszeit-Interviews auf Modern Sabbatical

Hol dir den Abenteuer-Auszeit-Newsletter!

Du träumst von einer Job-Auszeit, um endlich einmal länger auf Reisen zu gehen? Du weißt aber nicht, wie du es angehen sollst, fühlst dich überfordert vom Projekt und dir fehlt der Mut, deinen Traum zu realisieren?

Dann melde dich beim Modern-Sabbatical-Newsletter an!

Bildkollage mit Hol dir meinen Auszeit-NewsletterDarin versorge ich dich mit

  • praktischen Tipps,
  • ermutigenden Sabbatical-Geschichten,
  • aktuellen Entwicklungen zum Thema Sabbaticals,
  • Auszeit-Inspiration und
  • ganz viel Know-how, das du brauchst, um deine Reise-Auszeit vom Job zu realisieren.

Mein Geschenk für dich!

Bei Anmeldung bekommst du außerdem ein Geschenk! Ich schicke dir ein Dokument mit „9 Dingen, mit denen du direkt loslegen kannst„, wenn du dir eine Reise-Auszeit vom Job wünschst! Auch wenn du noch nicht genau weißt, wie dein Sabbatical aussehen soll. So kommst du direkt ins Doing!

Newsletter-Anmeldung

* Angaben erforderlich

Intuit Mailchimp

Die Daten, die du hier eingibst, werden ausschließlich gespeichert, um dir den Newsletter ein- bis zweimal pro Monat zu senden. Genaue Infos zum Datenschutz findest du hier.